Coaching

Autopsie eines Schmerzes

Autopsie eines Schmerzes

Klingt etwas makaber… aber hey, es ist bald Halloween, also, warum die Zurückhaltung?

Sie nagen an mir wie ein nicht aufzuhaltendes Wildtier, sie kennen keine Gnade, die Schmerzen. Was machst Du mit ihnen? Was machst Du mit Dir selbst, wenn sie da sind? Sprichst Du mit ihnen? Und was machen sie vor allem mit Dir? Was wollen sie Dir sagen? Schmerzen haben eine Funktion, genau betrachtet haben sie sogar mehrere. Lasst uns mal da ein bisschen durchstöbern und den Schmerz unter anderem von der Herzseite anschauen…

Schmerz führt zu einem selbst

Alle kennen sie und für alle sind es andere. Anders erlebt, anders gefühlt, anders wird auch damit umgegangen. Schmerzen sind ein Signal unseres Gehirn, dass etwas nicht stimmt, es gibt uns die Möglichkeit adäquat zu handel. Schmerz kann auch etwas anderes sein… eine Art Brücke…Ohne jetzt Euch die unangenehme Geschichte einer Gürtelrose, eines Bandscheibenvorfalls oder, was einem ereilen kann, zu erzählen, möchte ich versuchen als erstes die systemenergetische Seite des Schmerzes in diesem knappen Satz des Untertitels darstellen. Schmerz führt zu einem selbst!

Du bist nicht schuld, es ist auch nicht der Karma, der eine volle bitch ist, vielmehr ist der Blickwinkel, dass Du mit Deinem Schmerz verbunden bist. Diese Verbindung ist eine große Chance, zugegebenermaßen eine für meinen Geschmack beleidigende Analogie, für etwas wie eine Chance, was Glück und Zufriedenheit bringen sollte. Zurück zu dieser Chance: wenn Du mit Deinem Schmerz verbunden bist, bist Du mit Deinem Körper verbunden. Und das ist definitiv eine wahre Chance, denn in unserer schnelllebigen Gesellschaft, werden wir geradezu genötigt diese Verbindung zu hintergehen. Allein die Ausdrücke, die wir in der Kindheit oder im Alltag zu hören bekommen, zeigen, dass wir für „Me & my body“ keine Zeit haben. Diese Achtsamkeit, auf sein Innenbild, sein Innenleben zu achten, seinen Rhythmus an seine Kraft anzupassen, ist kein Wert, der 2020 allgegenwärtig ist. Zumindest ist es meine Beobachtung, widerspricht mir gerne, wenn Ihr das anders erlebt! Natürlich wird dafür geworben, nicht nur in Yoga- und Meditationskursen, auch in der Wirtschaft mit „achtsamem Management“ und was weiss ich noch wo, bis in Ernährungsformen… „intuitives Essen“. Es wird mit aller Kraft versucht, dieses Riesen Containerschiff, auf dem wir festsitzen, eigenhändig zu stoppen und zum umdrehen zu zwingen. Wo ist es aber zu er-leben? Familie, Arbeitswelt, Supermarkt… wohl nur in seltenen Fällen. Jetzt klinge ich meinetwegen etwas verbittert, so what? Es ist definitiv lustiger von 0 auf 180 km/h in 5 sec zu sprechen als von 180 zu 0, auch mit ABS, das spürst Du ü b e r a l l.

Also gut, der Schmerz kommt und Du bist da und wirst voller Kanne ausgebremst, zum Stillstand gezwungen. Und nun … darfst Du Dir die Zeit nehmen hinzuhören. Ist es möglich, dass Du irgendwo nicht auf Dich gehört hast? Gegen Deiner Intuition gehandelt hast? Dem Verstand gefolgt bist und nun in der Bredouille bist. Irgendwas ist irgendwo schief gelaufen. Geh zurück auf die Kreuzung, wo Du falsch abgebogen bist.

Schmerzen: Eine Bank zum innehalten

Das bietet Dir Dein Schmerz. Naja ok, sagen wir mal, das Potential ist gegeben. Es liegt an Dir, diese Gelegenheit zu nutzen. Ich musste schweren Herzens feststellen, ich tue mir schwer, alles an Aktivitäten einzustellen. Auch wenn nichts anders geht. Auch wenn 5 Meter gehen sich anfühlen wie einen Höllentrip… Scheibenkleister und zugenäht, Hilfe brauchen ist die Abgabe meiner Pseudo-Unabhängigkeit. „Kannst Du mir Essen machen, mit dem Hund gehen, mich irgendwohin fahren…“ sowieso nur zum Arzt, wohin soll ich gekrümmt wie eine alte Hexe denn gehen. Es bedeutet eins, kannst Du jemanden um Hilfe bitten, bist Du nicht allein! Mega conclusio oder?! Der Rest ist Ego und Demut. Und beide in die Waagschalen neu zu dosieren ist sicher von time to time nicht verkehrt.

Also setze ich mich auf die Bank hin und horche in mich hinein…

Neben mir links mein Ego, ganz schön gekrümmt und jämmerlich. Rechts von mir, Fräulein Demut im vollen Wachstumsprozess. Wut ist da. Immer wieder die Wut seit ein paar Monaten… Und was mache ich damit? Halt-Stopp! Erstmal horchen!!! „Aktion muss her!“ sagt mein Kopf. „Ho, halt mal jetzt die Klappe!“, sagt mein Herz. Ahhh, mein Herz ist wieder da. „Schön, Dich wieder zu hören!“ sage ich zärtlich. „Du hast mir gefehlt, sehr gefehlt.“

Dialog mit meinen Schmerzen

Und meinem Herzen: „Ich war die ganze Zeit da und schrie verzweifelt… aber Du konntest mich nicht hören, wo warst Du? Du hast mir auch gefehlt. Ohne Dich nutze ich niemandem. Du bist mir wichtig.“ Ich so… Kehle zugeschnürt…“Ich hatte mich verloren… glaube ich. Ich wusste nicht mehr wo ich war oder wo Du warst. Ich bin so froh Dich wieder zu hören. Und ich habe Angst.“ Mein Herz: „Liebes, ich bin und werde immer da sein. Wichtig ist, dass Du mich dabei haben willst. Sicherlich vertrete ich nicht immer die gleiche Meinung wie Herr Verstand -Gott sein Dank- aber wir gehören beide zu Dir, Du wirst uns niemals los, gut außer Du verlierst den Verstand, aber dann wäre eh alles Wurscht!“ „Ich weiß nicht, wo ich Dich verloren habe oder mich selbst. Ich will verstehen und tue es nicht und dann verliere ich mich wieder im Nebel. Genauso fühlt es sich an nämlich, Du bist doch immer mein guter Berater gewesen, ich konnte mich immer auf Dich verlassen. Und plötzlich drehe ich mich um und höre und sehe Dich nicht mehr, gar nichts mehr. Mein Kopf war so laut geworden, dass es alles übertönte… nun jetzt rede ich wieder wie ein nicht endender Fluss. Fakt ist, ich will Dich nicht mehr verlieren, ich brauch Dich an meiner Seite. Ich habe nur das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wie es geht… Kannst Du mir helfen?“. „Alles, was Du zu wissen und zu akzeptieren hast, ist, dass ich da bin, und zwar bedingungslos und immer. Du brauchst nur Deine Hand auszustrecken.“ sagt mein Herz.

Die Hand ausstrecken

Worte stauen sich in meiner Kehle… Emotionen bahnen sich einen Weg und verwirren mich. Kann es wirklich so einfach sein? Die Spannung in meinem Körper baut sich gleichzeitig auf wie ab. Baboum baboum höre ich. Hinhorchen… Mein Herz ist da, er schlägt für mich. Wut ist da… noch… auch auf mich, auf vieles. Aber es ist zarter. Es ist mehr und mehr wie eine Feststellung. Ich bin wütend. Ich habe Fehler gemacht, falsche Entscheidungen getroffen. Kann das sein, dass ich mir ein bisschen wie ein Opfer vorkomme? Tue ich mir selber leid? Ach meine Lieben Leser und Leserinnen, das sieht ganz so aus. *kopfschütteln-und-schmunzeln sage ich nur. Da muss ich gerade an Heinz Strauss denken und seinen Satz „Ach ein Fehler macht so frei, da mache ich gleich noch zwei!“. Spüre ich da richtig? Da scheint sich ganz entfernt etwas zu lösen. Wut ist eine emotionale Logik. Wenn ich sie nicht da lasse, gehe ich in die Kontrolle, zum Kopf hin… Wut, gelebt, kann entstehen, sie ist die Fähigkeit zu geben. Ich habe meine Wut nicht zulassen wollen, wusste meine Emotionen nicht zu leben. Welche Chance meinen Horizont zu erweitern und meine Fähigkeiten zu aktualisieren, ein großer Frischekick, der jetzt hochkommt. Ach jetzt sehe ich ganz klar die Kreuzung vor mir, wo ich falsch abgebogen bin! Kontrolle ist nicht schlecht, versteht mich nicht falsch, es ist genau genommen, weder schlecht noch gut, es ist erstmals so wie es ist. Ein Zustand! Es ist der verzweifelte Versuch zu geben, von sich etwas zu geben, was nicht gelingt… Jetzt kann ich wieder handeln, empfinden, denken… Der Nebel hat sich geklärt.

Der Weg zur Liebe

Und von da an kann ich mir nur wünschen, in eine andere Ebene zu kommen, in die ethische. Ich bin, ich spüre, ich ahne… der Weg zu meiner Intuition, da ist er ja, direkt vor meiner Nase! Geben ist auch in VER-geben.

So könnte eine intensive Coachingsitzung abgelaufen sein. So schnell ist manchmal die Wende. Oder vielleicht war es auch keine Coachingsitzung, in der ICH-Form war es definitiv lebhafter. Oder was meint Ihr?

Herzlichst

Isabelle

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