Coaching

Warte nicht zu lange…

um Deinen Lieben zu sagen, wie lieb Du sie hast. Manchmal ist es ganz schnell vorbei… Auch wenn es vorher andere Dinge zu klären gibt, die Dir wichtig sind. „DANACH“ ist es viel schwerer, das mit sich allein zu klären und… sich in der Trauer, die zu bewältigen ist, zu verzeihen…

Die Liebe, die nicht wieder kommt

In den letzten Jahren hatte ich viel zu lernen, was Abschied angeht. Schon zwei Jahre ist es in ein paar Tagen her, dass mein Papa von uns gegangen ist. Seine menschliche Hülle hatte sein Geist schon peu à peu verlassen. Demenz… Vielleicht ist es eine schwere Krankheit, vielleicht ist es ein Weg für die, die etwas erlebt haben, es lange vergessen hatten und dann suchen die alten Geister einen heim und lassen die Realität wie ein geschmackloser Witz erscheinen. Keiner sieht ihre Realität, keiner kann nachvollziehen, warum sie Angst haben oder ihre Kleidung und Schuhe nachts unter dem Kopfkissen verstecken…

Nach der Leere der Trauer, die der Tod hinterlässt, kam die Langsamkeit der Erkenntnis, dass er nie wieder meine Haare streicheln würde, nie wieder noch ein Glas Champagner wollen, nie wieder „papa“ von mir hören. Ein Stück von meinem inneren Kind ist vielleicht noch mehr in Trauerstarre wie die erwachsene Version meines ICHs. Die Erinnerungen der letzten beschwerlichen Jahre verblassen, sehr sehr slowly und dann passiert es plötzlich! Dann ploppen alte Erinnerungen wieder hoch. In meinem Herzen jubelt es. Ich sehe mich auf dem Schoss meines Papas und ich an seinem Pulli kleine Fuselbällchen mache, mit denen ich mich auf der Oberlippe kitzle… Diese Momente kommen nicht wieder, das ist mir klar, aber sie verjagen den Übermaß an schwere Momente. Sie bringen Gleichgewicht. In mir.

Ins Gleichgewicht

Und die Tatsache, dass ich seitdem zu viele leere Stellen in meinem Herzen spüre, ist weniger schwer einzusehen. Es ist, als wäre damit eine Klarheit entstanden darüber, dass Menschen… auch Tiere… aus meinem, unserem Leben gehen UND gleichzeitig eine reiche Spur an Leben hinterlassen.

Sie hinterlassen Erinnerungen, die nicht alle schön sind. Auch das ist wahr. Nichtsdestotrotz habe ich in dieser Zeit auch die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich es zulasse, die schönen und auch lustigen Momente und Erlebnisse, die Oberhand gewinnen. Es tut weniger weh jetzt, an diese Menschen zu denken, weil Sie mir dieses Geschenk gemacht haben, Spuren in meinem Leben zu hinterlassen. Dadurch haben sie sich auch verewigt. Mein Herz ist größer geworden. Meine Fähigkeit zu lieben ist gewachsen. Und ich bin irgendwie in diesem ganzen Prozeß stärker geworden.

In Frieden gehen lassen

und in Frieden zurückbleiben… Vor einigen Monaten ist auch die Mama meines Mannes gestorben. Sie war eine unglaubliche Frau. Mit ihren mehr als 80 Jahren und trotz der Krankheit der letzten Monate ihres Lebens, schaffte sie es stets adrett zu sein. Unglaublich, wie modebewusst sie als „Oma“ sein konnte! Sie hatte natürlich ihre Macken und wir waren nicht immer einer Meinung, das wäre schlicht gelogen 🙂 Allerdings entsprach unsere Beziehung nicht dem klassischen Cliché einer Schwiegertochter/Schwiegermutter Beziehung. Wir konnten reden und sie war stets interessiert. Bevor sie schwer erkrankte und rapide abbaute, hatten wir eine Auseinandersetzung gehabt, die ich leider nicht richtig bewusst auflösen konnte…wollte vielleicht. Vielleicht war ich zu feige, um das Thema nochmals anzusprechen, was mir so nah gegangen war.

Das einzige, was ich ihr noch schließlich mitgeben wollte, war, dass ich sie lieb habe. Der Moment, um „closure“ zu finden, wie die Amis sagen, hat sich einfach nicht gefunden. Ich finde es ein sehr schöner Begriff. Der Gedanke, abzuschliessen ist weniger melodramatisch als „Frieden machen“. Wie macht man denn Frieden, wo kein Krieg ist. Ja, nicht einmal Konflikt! Trotzdem war da ein Unfrieden, den ich nur vor einer kleinen Kapelle hinter dem Krankenhaus, im Wald, abzugeben und loszulassen. DESHALB ergreif den Moment und warte nicht auf den idealen Moment, der vielleicht nie kommen wird.

Ein letztes Mal

Mit meinem Papa konnte ich es tun und es hat es leichter gemacht. Vor kurzem konnte ich noch während einer sehr gelungenen Klangschalenreise einen der letzten Augenblicken mit meinem Vater erneut vor Augen haben und in meinem Herzen. Nachdem ich an seinem Sterbebett so viel des Ungesagtem mit ihm geteilt hatte, in seinem kaum wahrnehmbaren Bewusstsein, nahm er meine zwei Hände in die sein und zog sie an seinem Herzen. Es war, als hätte er alles mitbekommen und damit mir all seine Liebe ein letztes Mal versicherte. Und ich bin so dankbar. Diesen Augenblick hat mir gelehrt, dass Liebe keinen Halt vor der Grenze des Bewusstseins macht.

Ein letztes Mal Liebe schenken, ein letztes Mal jemandem sagen, wie lieb man ihn/sie hatte. Und dann ist es vielleicht egal, was alles andere war, das kann ich mit mir ausmachen, den Frieden… closure finden 🙌🏻

Herzlichst

Isabelle Tschernig-Lorenzi