Coaching Allgemein

Glück und Zufriedenheit

Glück, Zufriedenheit und vielleicht auch noch Dankbarkeit?! Geht’s noch? Oder was darf ich Euch zu dem neu angebrochenen Jahr wünschen? Jaja, das Jahr 2018 hat geendet und es ist mir ein großer Erleichterungsseufzer entschlüpft. Und da kamen Freunde und erzählten, dass ihre Jahre immer schöner und besser werden. Da war ich glatt neidisch… im ersten Moment. Im zweiten Moment bin ich nachdenklich geworden. Diese Gedankengängen möchte ich mit Euch teilen.

Neid ist ein guter Indikator

Das klingt nach einem typischen Coaching-Satz oder?! Ja, mag sein, auf jeden Fall ist es eine Erkenntnis aus dem Coaching. Neid ist für mich IMMER ein Zeichen, ich könnte… sollte genau da hinhorchen. Neid ist eine Reaktion auf jemanden, der etwas hat oder tut, was ich selbst gerne hätte oder täte. Für mich ist es allerdings nicht so, dass ich es der Person, die ich beneide, nicht gönne, was sie hat oder erreicht hat. Vielmehr wendet sich die Aktion in einen Vergleich mit meinen eigenen Errungenschaften. Und in der Hinsicht kann ich völlig unfähig sein, zu sehen, WAS IST, was ich erreicht habe. Ich bin nicht mehr bei mir und halte (gerade) nichts von dem, was ich habe, vom Eigenen, bzw. ich bin vielmehr blind dafür… und taub auch noch.

Zwar entstehen diese Gedanken als Reaktion auf „Außen“, gleichzeitig ist sie ein Indikator, was in mir gerade abläuft und damit ist es ein Indikator, wo ich -vielleicht- ansetzen kann, damit es mir besser geht. Insofern ist Neid in meinen Augen durchaus etwas Positives und sogar Nützliches. Gesellschaftlich betrachtet hat Neid einfach einen schlechten Ruf und wurde in manchen Religionen wie in der Antike, gelinde gesagt, als schlechte Eigenschaft bezeichnet. Also war es schon immer da und hat den Menschen angetrieben, selbst in die Gunst dessen zu kommen, was er anderen beneidet hat. Diese menschliche Eigenschaft erscheint in diversen Schattierungen und Ausprägungen. Nichtsdestotrotz birgt sie die tolle Möglichkeit, sich selbst immer wieder zu überprüfen, was verbessert werden könnte. Und so klingt es für mich gar nicht mal so schlecht 😉

Ein Geheimnis?

Also stand ich am Sylvester-Abend da und war neidisch. Und hinterher dachte ich, „da“ möchte ich hin, zu diesem Zustand der Selbstzufriedenheit, ohne jegliche Arroganz. Ich wollte das Geheimnis der Zufriedenheit lüften und war plötzlich voller Motivation dahinter zu kommen und mich in Dankbarkeit zu üben. Schliesslich habe ich wahrlich nicht zu klagen. Dennoch musste ich erstmal darüber nachdenken, um selber zu sehen, das Jahr war doch nicht nur eine einzige Katastrophe. Und da entdeckte ich, dass der Tod meines Papas und meines Hundes und meines ersten Freundes mich ganz schön tief mitgenommen hatte… und ich war immer noch nicht zurück aus dem Tal der Trauer, aus dem Stress und des beunruhigenden Gefühls, dass etwas Grundsätzliches und bisher als selbstverständlich hingenommen, fehlte und für immer fehlen würde.

Ganz offensichtlich hat jeder in mehr oder weniger ausgeprägter Form unschöne Ereignisse in seinem Leben, Jahr für Jahr. Seien es Krankheiten, unschöne Arbeitsverhältnisse oder persönlicher Stress, es bleibt niemand wirklich verschont. Und so ist es im Leben dieses Freundes auch. Also was ist sein Geheimnis? Gibt es ein Geheimnis überhaupt oder liegt es an der Persönlichkeit der jeweiligen Beteiligten? Was einen Menschen ausmacht, ist meiner Überzeugung nach nicht durch das Schicksalhafte definiert, was ihm widerfährt, vielmehr, wie er damit umgeht. UUUUND was er daraus macht, nach dem Prinzip „Gibt Dir das Leben Zitrone, mach Limonade draus“.

Oder eine Kunst?

Tatsächlich bin ich überzeugt, dass es vielmehr eine Kunst ist, die „beste“ Limonade aus den bittersten Zitronen zu machen. Und manche haben bessere Rezepte, bessere Utensilien oder gar sind einfach erfinderischer. Darum geht es doch. Ich empfinde Neid… jaja darum geht es ja die ganzen Zeilen lang… und aus systemenergetischer Sicht ist es die Fähigkeit, vom Eigenen etwas zu halten. Das bedeutet, dass ich diese Fähigkeit gerade jetzt nicht leben kann. Neid ist eine Form der Selbstsucht… das war es auch mit der Theorie aus der Systemenergetik. Hier geht es mir ums Erlebte, ein bisschen Hintergrundwissen hilft mir immer wieder zu realisieren und zu verstehen, was gerade da abläuft. Und dadurch verstehe ich einiges mehr… in diesem speziellen Sylvester-Fall 😉

Meine Fähigkeit, Freude zu haben und mich an dem zu erfreuen, was ich erreicht habe oder habe, darüberhinaus vom Eigenen etwas zu halten… ist mir wohl in dem „Schicksalsdreieck Marokko-Monaco-Starnberg“ völlig abhanden gekommen. Und das Gute verrate ich Euch jetzt! Kommt mal näher, denn das müsst Ihr gut verinnerlichen: eine Fähigkeit geht NIE verloren. Genau, Ihr habt es richtig gehört, sie muss NUR regelmäßig aufpoliert werden, ein bisschen gepflegt. Es klingt wie ein Altmütterchen-Haushaltspflegetipp und ganz ehrlich, im Grunde ist es auch einer. Nur gilt dieser Tipp nicht fürs Haus sondern für den geistigen Haushalt. Neid ist quasi eine Fähigkeit im Wolfsmantel, gut verkleidet, hat sie eine andere Erscheinungsform … wer würde vermuten, dass unter Neid sich diese fabelhafte Fähigkeit verbirgt, vom Eigenen etwas zu halten?! Das ist die wahre Kunst.

Best New Year’s Eve Start ever

Also ist der Neid ganz im Sinne des Bochumer Soziologen Professor Hans Bierhof deutlich besser als sein Ruf. Erstens sehe ich etwas Wünschenswertes beim Gegenüber, ich halte etwas von ihm oder zumindest von seiner Leistung, was schon durchaus eine goldwerte Eigenschaft ist. Daraufhin kann ich dieses „Etwas“ selbst erreichen bzw. vollbringen. Drittens ergibt sich die Möglichkeit zu überprüfen, was ich selbst habe, wovon ich etwas halte… es ist keine chronologische Auflistung, sondern vielmehr eine nicht lineare Aufzählung. Daraus entsteht ein enormes Potential, sich selbst zu entwickeln und seine Fähigkeiten zu entfalten.

In diesem „Sylvesterfall“ kann ich sagen, dass es mir die Augen geöffnet hat. Tatsächlich habe ich es dem Freund gegönnt und halte viel davon, was er erreicht hat. Dazu habe ich einen Blick auf mein Eigenes geworfen, bewusst wieder aus den Tiefen des Ich-habe-momentan-was-anderes-um-die-Ohren-Tal und … für gut befunden. Es ist doch nicht alles schiefgegangen dieses Jahr für mich: Traum der Jugend-Coaching-Praxis erfüllt, mit meinem Vater das Unaussprechliche ausgesprochen und Frieden gemacht, gleich zwei Abschlüsse gemacht, Teenpower Teamleitung-Ausbildung, zwei Seminar-Leitungen bekommen… also rein rational betrachtet, ist es was! Und, last but not least, dafür danke ich meinen Freunden Nina und Nico für ihre Inspiration, ich habe wieder die Augen offen, und erstrebe Glück und Zufriedenheit. Ich bin raus aus dem Tal! Wenn das nicht der beste Neujahrsstart meiner letzten 20 Jahre?!

Also meine Lieben, egal, was mit Euch geschieht und geschehen sein mag, vergesst nicht, Ihr tragt in Euch diese schlummernde Fähigkeit, etwas vom Eigenen zu halten. Und der, der mir sagt, dass er auf niemanden neidisch ist, ist entweder ein sehr alter weiser Zen-Mönch oder nicht vertrauenswürdig.

Ich wünsche Euch viel Neid und Ungeduld, Ihr seid auf dem besten Weg, Glück und Zufriedenheit zu erreichen.

Herzlichst

Eure Isabelle Tschernig-Lorenzi

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