Coaching

Umgang mit Alltagstyrannen

Manche Menschen, sind so schwierig im Umgang, dass ich sie als Tyrannen bezeichne, um sie geht es hier, die Alltagstyrannen.

Wie kommt es, dass es möglich ist, sich komplett unwohl bis hin zu wütend zu fühlen, wenn jemand „Platz einnimmt“?

Ich erkläre zuerst, was ich meine, wenn ich schreibe „Platz einnehmen“: jeder von uns im Leben bekommt durch seine Geburt eine Option auf einen Platz im Leben. Das Leben verläuft bei Weitem nicht für alle identisch und so bekommen nicht alle Säuglinge, später Kinder und dann heranwachsende Erwachsene, Jugendliche von ihren Eltern, von der Gesellschaft einen Platz, der für sie stimmig ist. Werden sie gesehen und gehört, auch wenn nicht verstanden, so hat „man“ eine gute Grundlage für einen guten Platz im Leben. Daraus entwickelt sich ein Gefühl der eigenen Existenz. Wir werden ernst genommen, und lernen so, sich selbst ernst zu nehmen, wahrzunehmen. Daraus entsteht Halt, in sich Halt finden.

Wenn also ein Kind „gesehen“ und „gehört“ wird, als Individuum und im psychologischen Sinn, so hat dieses Kind einen Platz in seiner Familie, später hat dieser Mensch, in späteren Jahren, älter, so Gott will zumindest (das gibt es leider viele andere Einflüsse auf das leben eines Menschen ausserhalb seiner Familie), ein Gespür entwickeln für seinen Platz in der Gesellschaft und in der eigenen Familie. Und diesen  Platz braucht jeder. Hat man allerdings nicht dieses Gespür entwickeln dürfen, was  mein Platz ist, wie er anfühlt  sich, wie  sich die anderen fühlen, wenn ich ihn einnehme, wo die Grenzen sind, meine und die der anderen, so kann es passieren, dass Platz einnehmen als soziale Notwendigkeit zu einem unsensiblen Akt des sich aufzwingen, aufdrängen, in Französisch „s’imposer“. Besonders bei Menschen, die über ein scheinbar starkes Selbstvertrauen ist dies der Fall, sie nehmen sich einen Platz, ohne Rücksicht auf die ihre Wirksamkeit in der Gruppe.

Grenzüberschreitungen

Das führt zu einer Verletzung, was wiederum oft Unbehagen gar Wut beim Gegenüber verursachen kann. Jetzt sind wir auch wieder bei der Anfangsfrage angekommen. Lassen Sie uns etwas weit gehen und nennen wir an der Stelle diese Menschen „Alltagstyrannen“. Sie nehmen sich einen Platz. Und in dem Fall ist es eben nicht ihren Platz, sondern den Platz, den sie meinen, sich nehmen zu dürfen, ungebeten, ungeprüft, ungeachtet dessen, wie es ankommt im sozialen Gefüge: ein sozialer Blindflug sozusagen!

Es klingt ein bisschen wie das Skizzieren von einer besonderen Spezies. Solche Menschen haben nicht die Sensibilität geschenkt bekommen, IHREN Platz einzunehmen. Darüber hinaus geht es auch darum,  Grenzen zu spüren, die eigenen und die des Gegenübers. Schliesslich ist das Beste zu tun im Umgang mit ihnen, sich selber seinen eigenen Platz bewusst zu sein. Genauso wichtig ist es sich seinen eigenen Grenzen klar zu spüren und darüber hinaus zu zeigen. Die anderen zu be-grenzen  ist eher moralisch und eben grenzüberschreitend. Damit entstehen wiederum Verletzungen. Dagegen ist die Wirksamkeit des eigenen Erleben und Leben neurologisch nachgewiesen: dem Alltagstyrannen vorleben, was eigene Grenzen sind.

Zum Schluss möchte ich Mut machen und ermutigen. Es gehören immer Opfer zum Tyrannen. Deshalb ist es ein stärkender Weg, sich als erwachsener Gegenüber zu verhalten. Zeigen Sie sich respektvoll und wertschätzend mit all Ihren Grenzen. So können Sie auch peu à peu Ihren Platz gegenüber eines Alltagstyrannen voll ausfüllen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim wieder Entdecken der eigenen Grenzen.

Herzlichst,

Isabelle Tschernig-Lorenzi