Über­all höre ich von Vor­sät­zen und wie es am bes­ten geht. Pfff … am bes­ten, in dem man sich das alles NICHT zu Her­zen nimmt. Zum Kukuck mit den Neu­jahrs­vor­sät­zen!

Sil­ves­ter ist vor­bei, vie­le über­le­gen sich jetzt, was sie sich für das frisch ange­bro­che­ne Jahr vor­neh­men möch­ten. Es ist wie­der die Zeit der nie rea­li­sier­ten Neu­jahrs­vor­sät­ze. Jah­re­lang habe ich die­ses Ritu­al auch gepflegt, habe mich gleich am Anfang des Jah­res hin­ge­setzt, allein und in den Notiz­blät­tern mei­nes Filo­fax auf­ge­schrie­ben, was ich mir »die­ses« Jahr vor­neh­men woll­te. Auf­fal­lend wur­de irgend­wann, dass die meis­tens die­ser Wün­sche jedes Jahr wie­der eins zu eins über­nom­men wer­den konn­ten. Also waren sie wohl nicht in die Lis­te der neu­en Gewohn­hei­ten oder Erfol­ge über­ge­gan­gen.

Die Vor­sät­ze waren prak­tisch, um sich des­sen klar zu wer­den, was ich ger­ne geän­dert hät­te bezie­hungs­wei­se, was mir an mei­nem Leben/Gegenwart nicht gefal­len oder zufrie­den­ge­stellt hat. Und hin­ter den Vor­sät­zen steck­ten auch Wün­sche, vor allem Wün­sche nach Ver­än­de­rung.

Hinter den Vorsätzen

Was hat denn ein Vor­satz für einen Sinn? Man nimmt sich etwas vor wie die Klas­si­ker »weni­ger essen, mehr Sport zu trei­ben, einen Sprach­kurs wie­der zu star­ten«… alles oft vage Ide­en, was einem so durch den Kopf geht, eine Sehn­sucht nach »anders«. Der Sinn von einem Vor­satz ist in mei­nen Augen ent­we­der eine schlech­te Gewohn­heit zu been­den und mit einer Guten zu erset­zen oder aber etwas Neu­es in sein Leben ein­zu­fü­gen, was vor­her gar nicht da war. Aber hin­ter die­sen Vor­sät­zen steht in mei­nen Augen eine Unzu­frie­den­heit mit dem Jet­zi­gen. Im bes­ten Fal­le dem jet­zi­gen Ich, im schlimms­ten Fal­le (weil es nicht zu ändern ist) mit äuße­ren Fak­to­ren und ande­ren Men­schen. Und das ist in mei­nen Augen viel wich­ti­ger wahr­zu­neh­men, als ein frus­trie­ren­des, tabu­la­ra­sa-machen­des Aktio­nis­mus. *Aktio­nis­mus ist, wenn man merkt, dass etwas nicht ange­nehm oder trag­bar ist und anstatt eine Zeit lang bei den aus­ge­lös­ten Gefüh­len zu blei­ben, gleich weg davon und mit einer neu­en Akti­on zu begin­nen. Eine Akti­on, die auf der glei­chen Basis beruht, wie das, was ver­än­dert wer­den soll. Dies führt lei­der oft zu einem ähn­li­chem miss­lun­ge­nen Ergeb­nis.

Also steckt hin­ter den Neu­jahrs­vor­sät­zen ein star­ker Wunsch nach Ver­än­de­rung, der aber nicht direkt wahr­ge­nom­men wird. Im Gegen­teil wird die­ser hin­ter einer Schicht vager Vor­sät­zen weg­ge­drückt. Dabei ist es viel­leicht ganz sinn­voll, die­se Wün­sche genau­er anzu­schau­en. Viel­leicht lebt man noch nach einem Mus­ter, was aber für unse­ren Lebens­ab­schnitt nicht mehr ganz stim­mig ist. Und inner­lich tut sich eine Unru­he, weil neue Mus­ter nötig sind, stim­mi­ge Mus­ter. Viel­leicht ist Mus­ter das fal­sche Wort, viel­leicht geht es hier viel­mehr dar­um, sich sei­ne eige­ne Lebens­phi­lo­so­phie bewusst zu wer­den.

Die Done-List

Ich mache mir kei­ne unnö­ti­gen, zu nichts Gutem füh­ren­den Vor­sät­ze. Und, wie es aus­schaut, bin ich also unzu­frie­den mit mei­ner Situa­ti­on. Für man­che reicht es, um etwas zur Ruhe zu kom­men. Für man­che ist es im Gegen­teil ganz schlimm, wenn sie erst­mal ein­se­hen, dass sie ihr Leben nicht mögen. Es ist womög­lich ein zwar unan­ge­neh­mer, aber idea­ler Weg, um sich ein Leben zu gestal­ten, das man mag.

Dafür hat es sich für vie­le Kli­en­ten bewährt, das abge­schlos­se­ne Jahr Revue zu pas­sie­ren und sei­ne DONE-LIST zu machen. Was habe ich letz­tes Jahr geschafft? Was sind mei­ne beson­de­ren Erfol­ge? Wor­auf bin ich stolz? Aus die­ser Lis­te kann sich her­aus­kris­tal­li­sie­ren, dass man den Weg schon geht, den man sich für das kom­men­de Jahr wünscht.

Ein Beispiel

Fr. X wünscht sich gesün­der zu leben und nimmt sich vor, dafür kei­nen Indus­trie-Zucker mehr zu sich zu neh­men. Dazu will sie jeden Tag eine Stun­de wal­ken. Dabei bekom­me ich wäh­rend der Auf­zäh­lung der Vor­sät­ze einen star­ken Druck und ich spre­che es aus. Die Kli­en­tin atmet laut prus­tend aus und sagt, sie spürt auch den Druck, den sie sich macht. Aber sie will ja ein gesun­des Leben füh­ren. Ich dre­he den Spieß um und fra­ge sie, was sie das vori­ge Jahr in Bezug auf gesun­des Leben geschafft hat. Nach der Auf­zäh­lung ihrer Errun­gen­schaf­ten, schwei­ge ich. Sie fängt an zu schmun­zeln und sagt nach ein paar Minu­ten, dass sie eigent­lich ganz schön viel macht und sie auch die Erfol­ge spürt. Sie ist wie­der ganz bei sich und sagt, dass sie stolz drauf ist, was sie alles schon ver­än­dert hat. Und dass sie es spürt. Ich bekom­me eine ange­neh­me Gän­se­haut. Sie wünscht sich eigent­lich nur die­sen Weg wei­ter­hin zu ver­fol­gen. Ich atmet aus und sie wirkt ganz weich und auf­ge­räumt.

 

Ich wün­sche Ihnen, dass Sie sich sel­ber treu und nah blei­ben kön­nen und Ihre schon erreich­ten Zie­le im Auge behal­ten. Viel­leicht pro­bie­ren Sie es die­ses Jahr aus, sich kei­ne neu­en Vor­sät­ze-Lis­te zu erstel­len dafür aber eine schön gefüll­te Done-List!

Dar­über hin­aus dan­ke ich Ihnen für das treue Lesen und Ihr Inter­es­se an mei­nen Arti­keln. Und zu guter Letzt wün­sche ich Ihnen ein sehr schö­nes Jahr, das Sie mit Freu­de, wun­der­ba­ren Momen­ten und Glücks­ge­füh­len fül­len kön­nen.

Herz­lichst,

Ihre Isa­bel­le Tscher­nig-Loren­zi

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