Jeder kennt Yoga und hat schon von Yogarichtungen zumindest vielleicht gehört. Es gibt darüberhinaus auch verschiedene Qualitäten mit denen Yoga geübt werden kann, deshalb spreche ich hier vom richtigen Yoga (ganz schön überheblich oder? 🙂 ). Dabei geht es um die richtige/passende Qualität des Yoga-Übens. Das Spannende dabei ist, dass das Üben sich nicht auf die Asanas beschränkt!

In meiner dreijährigen Yoga-Lehrer-Ausbildung, vor fast zehn Jahren, wurden uns bei Weitem nicht nur die Asanas beigebracht. Es gibt soviel mehr zu lernen, um Yoga in sein Leben zu integrieren und dann zu unterrichten. Yoga gehört mit seinen mehr als 2000 Jahre alte Yogasutren (altindische Schriften) zu den ältesten Bewegungslehren, die schriftlich registriert sind. Das als kleine Yogakunde des Tages…

Yoga kann auf vier Arten praktiziert werden, deshalb könnte man sagen, es gibt vier Yogas: das Verkehrte, das, was zu viel ist, das, was zu wenig ist und das Richtige/Passende.

Das Verkehrte: MITHYA

Ich mache eine Asana und achte nicht auf wichtige Bestandteile der Ausführung. Zum Beispiel krümme ich die Flanke und überstrecke das Knie, damit gehe ich das Risiko ein, mir eine Verletzung zuzufügen. Dieses Yoga ist verkehrt. Deshalb ist es als Anfänger sehr sinnvoll, bestimmte Asanas nicht allein zuhause zu üben oder gar ohne fachmännische Einleitung, im Kurs zum Beispiel.

Viele entscheiden sich Yoga zu machen, und holen sich eine DVD mit einer attraktiven Frau (einem Model) auf dem Cover, die eine Haltung einnimmt, die ästhetisch vorkommt. Als Anfänger, kann keiner beurteilen, ob die Haltung korrekt ausgeführt wird. Wenig Models üben selber Yoga und sind in der Lage, Yogapausen korrekt einzunehmen. Die Verlage aber verlange attraktive Models… Es kann irreführend sein und verursacht unnötige „Irritationen“ des Nervensystems.Ein Buch mit einem fundierten Wissen, was ausdrücklich auf Anfänger eingeht, Hilfsmittel und Alternativasanas für diejenigen anbietet, die aus verschiedenen Gründen Zwischenstufen brauchen, ist sinnvoll. Das Beste ist einen Anfänger-Kurs mit einer vernünftigen Anzahl von Teilnehmern (max. 12), in dem auf alle Einzelnen eingegangen wird.

Das, was zu viel ist: ATI

In vielen Köpfen ist aus der Schulzeit, aus der Erziehung oder aus eigener Zielstrebigkeit das Wort Leistung in großen Buchstaben geschrieben. An sich ist das nicht verkehrt, wenn ich meine Grenzen nicht überstrapaziere. Aus meiner Erfahrung werden diese oft eben nicht respektiert, möglicherweise gar nicht erst wahrgenommen. Dies hat verschiedene Gründe und Ursachen, für jeden Einzelnen gelten ganz eigene. Es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen und darum geht es nicht. Es geht einzig und allein darum, in Yoga seine ganz eigenen Grenzen kennenzulernen, anzunehmen und dementsprechend zu handeln.

Vor zwei Wochen war ich bei einem Yogaseminar für Anfänger. Kurz dazu, weil ich als Yogalehrerin die Frage oft hörte, warum brauche ich das? Ich sei doch viel weiter. Ich praktiziere seit Jahren Yoga, und möchte gelegentlich die Grundlagen dieser Praxis frisch und neu durchgehen, erneut erkunden. Daraus entsteht ein gefestigtes und tiefergehendes Wissen. Darüberhinaus kann meine Praxis selber vertieft werden und die eigene Wahrnehmung gesteigert. Damit habe ich in erster Linie mir etwas geschenkt, in zweiter Linie konnte ich aus der Teilnehmerperspektive viel für meinen eigenen Unterricht mitnehmen. Es war sehr heiß und draußen wegen Künstler mit Kettensägen entsprechend laut. Es hat viel Konzentration erfordert, mich auf MICH zu konzentrieren. Es war anstrengend. Ich blieb weniger lange in den anstrengenden Asanas zum Beispiel. Es wurde viel Wert darauf gelegt, die Asanas kühlend auszuführen, ohne zu schwitzen, also ohne, dass es ZU VIEL wird… oder besser gesagt in der Gegenwart IST! Es war entlastend und so konnte ich die heißen Tage mit einer für mich passenden Yogapraxis verbringen.

Das, was zu wenig ist: HINA

Manche Teilnehmer machen aber das Gegenteil und erforschen nie genau die Grenzen zum zu viel, sie sind nie angestrengt, machen kleine Schritte, bleiben ganz wenig, üben nach Jahren Übung nicht zuhause. Es gibt auch ein zu wenig. Es gilt an der Stelle, seine Wahrnehmung zu stärken. Das wiederum entsteht ganz natürlich im Marma-Yoga, da ich in meinem Körper „auf der Lauer“ bin, ob ein „Erreichen“ einer bestimmten Stelle mir gelingt. Ich nehme mein Bein nicht nur als ganzes „Drum“, sondern unterscheide, Hüftgelenk, Oberschenkelknochen, Oberschenkelmuskeln, Kniegelenk usw. Es gilt hier das „Passende“ zu finden, was zwischen ATI und HINA liegt.

Das Passende: SAM

Das Passende lässt sich überall suchen und üben: im Essen, im Schlafen, im Arbeiten, im Üben… Das passende Kleid oder die passende Hose ist für jeden ein Begriff. Und so suche ich mir das passende Essen. Habe ich Hunger esse ich etwas, da fängt es an. Das ist das FÜHLEN – DENKEN – HANDELN Schema. Ich nehme in meinem Körper etwas wahr. Ich spüre hin, wie es mir damit geht und denke, was ich gegebenenfalls tun kann, um die Situation passend zu machen.

Das ist eins der ganz spannenden Aspekte vom Yoga, denn die Suche nach dem „Passendem“ kann in jedem Lebensbereich praktiziert werden. Ich entwickle durch die Anwendung des SAMs im Alltag eine feine Beziehung zu mir, meiner Psyche und meinem Körper. Ich handle mit einer Logik, die gesundheitsfördernd ist. Als Coach kann ich hinzufügen, dass dieser gesundheitsfördernde Aspekt ganzheitlich ist, er wirkt sich auf der psychologischen Ebene, auf der sozialen Ebene (ich mit meinem Umfeld) und auf der körperlichen Ebene.

 

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diese Begriffe zu erklären und ich freue mich, eventuelle Fragen zu beantworten. Auch Ihnen wünsche ich viel Spaß bei der Suche nach dem „Passenden“ in Ihrem Leben. Das Auflösen von lang geübten Selbsturteilen oder Mustern braucht vielleicht seine Zeit, es darf aber auch auf EINFACHE WEISE zu einem anderen Umgang mit sich selber führen. Auch ohne Yoga zu üben kann ich die yogische Logik anwenden und es mir gut gehen lassen.

Herzlichst,

Ihre Isabelle Tschernig-Lorenzi

 

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